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Prof. Dr. med. Kai Megerle
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Andere Nervenkompressionssyndrome

Expertenbehandlung für seltene und komplexe Engpasssyndrome

Arm & Hand

Kompressionen des N. medianus und N. radialis

Während das Karpaltunnel- und Kubitaltunnelsyndrom weithin bekannt sind, können die großen Armnerven auch weiter oben im Unterarm oder entlang ihres oberflächlichen Verlaufs eingeklemmt werden. Da diese seltenen Syndrome oft ohne offensichtliche sensible Symptome wie Kribbeln einhergehen, werden diese oft erst spät oder gar nicht erkannt.

  • Interosseus-anterior-Syndrom (Nervus medianus): Eine Kompression des tiefen motorischen Astes des Medianusnervs im oberen Unterarm. Da es sich um einen rein motorischen Nerv handelt, verspüren die Patienten keine Taubheit, leiden aber unter einer massiven Schwäche im Spitzgriff und verlieren die Fähigkeit, die Spitzen von Daumen und Zeigefinger aktiv zu beugen.
  • Interosseus-posterior-Syndrom (Nervus radialis): Oft auch als Supinatorlogensyndrom bezeichnet. Es handelt sich um die Einklemmung eines tiefen motorischen Astes des Speichennervs (Nervus radialis). Dies führt zu einer fortschreitenden Schwäche oder Lähmung beim Strecken der Finger und des Handgelenks.
  • Wartenberg-Syndrom (Oberflächlicher Nervus radialis): Eine Kompression des rein sensiblen Astes des Speichennervs, oft dort, wo er am Unterarm an die Oberfläche tritt. Dieser Zustand verursacht lokale Schmerzen, Kribbeln und Taubheitsgefühle über dem Handrücken und dem Daumen.

Wenn konservative Therapien oder Schonung die Schwäche oder Schmerzen nicht beseitigen, führen wir eine mikrochirurgische Dekompression durch, um den Nerv schonend von bindegewebigen Strängen oder engen Muskelkanten zu befreien.

Hand auf Unterarm
Handgelenk

Kompression des N. ulnaris (Loge-de-Guyon-Syndrom)

Das Loge-de-Guyon-Syndrom ist das ellenseitige Pendant zum Karpaltunnelsyndrom. Es entsteht, wenn der Ellennerv (Nervus ulnaris) beim Durchtritt durch einen engen fibro-ossären Kanal (die Guyon-Loge) an der Basis des Handgelenks komprimiert wird.

Typischerweise leiden die Patienten unter zunehmenden oder wiederkehrenden Schmerzen am Handgelenk, die in die ulnare Handkante (kleiner Finger und Ringfinger) ausstrahlen. Auch motorische Ausfälle können auftreten, die zu einer spürbaren Schwäche der kleinen Handmuskeln und in späteren Stadien zu einer Krallenfehlstellung des kleinen Fingers führen.

Eine häufige Ursache für diese Einengung ist das Vorhandensein kleiner Zysten (Ganglien) oder Lipome im Handgelenk. Wenn die Bildgebung eine Raumforderung bestätigt oder die Symptome trotz konservativer Behandlung fortschreiten, öffnen wir den Kanal chirurgisch, um den Ellennerv vollständig vom Druck zu entlasten.

Hand am Fahrradlenker
Bein & Fuß

Nervenkompressionen der unteren Extremität

Periphere Nervenkompressionen sind nicht auf die Arme und Hände beschränkt. Auch die Nerven in den Beinen und Füßen passieren ähnlich komplexe anatomische Engstellen und sind sehr anfällig für Druckschäden.

  • Kompression des N. peroneus (N. fibularis): Dieser Nerv wird sehr häufig direkt am Wadenbeinköpfchen, knapp unterhalb des Knies, eingeklemmt. Aufgrund seiner oberflächlichen Lage kann äußerer Druck zu einer schnellen Lähmung der Fußheber (Fußheberschwäche oder "Steppergang") führen.
  • Tarsaltunnelsyndrom (Nervus tibialis): Hierbei handelt es sich um eine Einklemmung des Schienbeinnervs in einem fibro-ossären Tunnel an der Innenseite des Knöchels. Es verursacht brennende Schmerzen und Kribbeln an der Fußinnenseite und Ferse, die sich bei Belastung verschlimmern. Die chirurgische Dekompression des Tarsaltunnels kann besonders für Patienten mit Diabetes von großem Nutzen sein, da die Linderung dieses lokalen Drucks neuropathische Schmerzen erheblich reduzieren und helfen kann, verlorene Sensibilität wiederherzustellen.

Bei Fußheberschwächen, die sich nicht rasch zurückbilden, ist die chirurgische Entlastung am Knie von entscheidender Bedeutung. Ist die Lähmung bereits fortgeschritten oder dauerhaft, können motorische Ersatzoperationen (wie Sehnentransfers) die Stabilität und Funktion des Fußes wiederherstellen.

schmerzhafter Fuss

Häufig gestellte Fragen

Warum entstehen seltene periphere Nervenkompressionen?

Aufgrund ihres langen Verlaufs durch den Körper sind periphere Nerven besonders anfällig für lokale Kompressionen an komplexen anatomischen Engpässen, wie etwa zwischen Muskeln, unter straffen Bändern oder an faserigen Faszienkanten. Wiederkehrende Überlastungen, anatomische Variationen oder lokaler Druck durch gutartige Zysten (Ganglien) sind häufige Auslöser.

Was ist das "Flaschenzeichen" bei einer Kompression des Nervus medianus?

Wenn der tiefe motorische Ast des Nervus medianus (Interosseus-anterior-Nerv) im Unterarm eingeklemmt ist, führt dies zu einer ausgeprägten Schwäche der Beugemuskulatur von Daumen und Zeigefinger. Dadurch ist es dem Patienten nicht mehr möglich, ein festes "O" (Spitzgriff) zu bilden. Klinisch zeigt sich dies, wenn der Patient eine Flasche nicht mehr richtig greifen kann – das sogenannte Flaschenzeichen.

Hat die "Radfahrerlähmung" etwas mit dem Loge-de-Guyon-Syndrom zu tun?

Ja. Das Loge-de-Guyon-Syndrom beschreibt die Kompression des Ellennervs (Nervus ulnaris) an der Basis des Handgelenks. Anhaltender, wiederholter Druck auf den Handballen – wie etwa beim starken Abstützen auf einem Fahrradlenker – ist eine sehr häufige Ursache. Bei reinen Druckläsionen klingen die Symptome oft von selbst ab, sobald die mechanische Belastung entfällt.

Wie hilft die chirurgische Dekompression Diabetikern mit Fußschmerzen?

Patienten mit Diabetes leiden häufig an einer diabetischen Neuropathie, die ihre peripheren Nerven sehr empfindlich gegenüber Schwellungen und Druck macht. Die chirurgische Entlastung (Dekompression) des Schienbeinnervs (Nervus tibialis) im Tarsaltunnel kann diesen lokalen Druck nehmen, was oft sehr hilfreich ist, um starke neuropathische Schmerzen zu lindern und verlorene Sensibilität im Fuß wieder zu verbessern.