Radialisparese (Fallhand)
Was ist eine Radialisparese?
Die Radialisparese ist eine Lähmung des Speichennervs (N. radialis). Dieser wichtige Armnerv ist für die Streckung des Ellenbogens, des Handgelenks und der Finger verantwortlich.
Das klassische und für Patienten stark einschränkende Leitsymptom ist die sogenannte Fallhand. Ein Ausfall führt zu erheblichen Einschränkungen in Beruf und Alltag:
- Unfähigkeit, das Handgelenk und die Finger zu strecken
- Deutlich verminderte Greifkraft, da das Handgelenk nicht stabilisiert werden kann
- Gefühlsstörungen oder Taubheit am Handrücken und Daumen
Die chirurgische Behandlung
Falls neurologische Untersuchungen zeigen, dass sich der Nerv nicht von alleine erholt, bieten wir hochspezialisierte chirurgische Verfahren an, um die Greiffunktion wiederherzustellen.
Nervenrekonstruktion: In den ersten Monaten nach der Verletzung können wir den Nerv mikrochirurgisch reparieren oder durch Nerventransplantate überbrücken. Auch moderne Nerventransfers (Nervenumlagerungen) kommen hier erfolgreich zum Einsatz.
Motorische Ersatzoperation: Ist eine Reparatur des Nervs nicht mehr möglich, führen wir Sehnenumlagerungen durch. Dabei werden Sehnen funktionierender Beugemuskeln auf die gelähmten Streckmuskeln umgeleitet. Das Ergebnis ist eine rasche und verlässliche Wiederherstellung der Handfunktion.
Häufige Fragen zur Radialisparese
Wie entsteht eine Radialisparese?
Häufigste Ursachen sind Druckschäden (z.B. die "Parkbank-Lähmung"), Knochenbrüche des Oberarms (Humerusfraktur) oder Schnittverletzungen. Auch chronischer Druck oder Entzündungen können den Nerv schädigen.
Kann eine Fallhand von alleine wieder heilen?
Ja, wenn es sich um einen reinen Druckschaden handelt, erholt sich der Nerv oft innerhalb von Wochen bis Monaten (spontane Remission). Ist der Nerv jedoch durchtrennt oder schwer gequetscht, ist chirurgisches Eingreifen notwendig.
Wann ist der richtige Zeitpunkt für eine Operation?
Bei offenen Verletzungen sollte sofort operiert werden. Bei geschlossenen Verletzungen wartet man oft 3 bis 6 Monate auf eine spontane Erholung, kontrolliert durch neurologische Messungen (EMG). Bleibt die Erholung aus, sollte rechtzeitig eine Rekonstruktion erwogen werden.
Was ist eine motorische Ersatzoperation (Sehnentransposition)?
Wenn der Nerv irreparabel geschädigt ist, können intakte Muskeln, die von anderen Nerven versorgt werden, umgeleitet werden. Durch diesen Sehnentransfer übernehmen sie die Funktion der gelähmten Streckmuskeln, sodass Sie das Handgelenk und die Finger wieder heben können.