Nervenrekonstruktion
Präzise Mikrochirurgie zur Wiederherstellung von Funktion und Gefühl
Die Königsdisziplin der Mikrochirurgie
Die Rekonstruktion peripherer Nerven stellt einen der anspruchsvollsten und filigransten Bereiche der plastischen und rekonstruktiven Chirurgie dar. Sie ist häufig nach schweren traumatischen Verletzungen oder als Folge von Komplikationen nach Voroperationen erforderlich, bei denen ein Nerv beschädigt oder durchtrennt wurde.
Für Prof. Dr. Megerle ist dieses Gebiet von größter Bedeutung. Die Wiederherstellung von Nerven, die Bewegung und Empfindung steuern, erforderen nicht nur ein tiefgreifendes Verständnis der Anatomie, sondern auch präzise Operationstechniken und hochspezialisierte mikrochirurgische Ausrüstung. Unter starker Vergrößerung und mit Fäden, die dünner als ein menschliches Haar sind, ist es unser oberstes Ziel, die Nervenfasern exakt aneinanderzufügen, um dem Nerv die bestmögliche Chance zur Regeneration zu geben.
Überbrückung des Nervendefekts
Wenn ein Nerv vollständig durchtrennt ist und sich die Enden zurückziehen, kann er nach einiger Zeit nicht einfach wieder zusammengezogen werden. Dies würde Spannung erzeugen, was die Nervenregeneration stark behindert und zum Scheitern führt. Stattdessen muss der entstandene Defekt (die Lücke) überbrückt werden.
Je nach Art des Defekts wendet Prof. Dr. Megerle verschiedene biologische Überbrückungsstrategien an. Der Goldstandard ist das körpereigenes Nerventransplantat (Autograft), bei dem ein weniger kritischer, sensibler Nerv aus Ihrem eigenen Körper verwendet wird, um die Lücke zu schließen. Alternativ können wir in bestimmten Fällen ein Allotransplantat (Allograft) einsetzen – ein speziell aufbereitetes, steriles Nerventransplantat eines Spenders –, welches die Entnahme eines eigenen Nervs überflüssig macht.
Zeit ist Muskel: Die Innovation des Nerventransfers
Bei Verletzungen motorischer Nerven ist eine frühzeitige Vorstellung für ein gutes klinisches Ergebnis absolut entscheidend. Nerven wachsen mit einer Geschwindigkeit von etwa einem Millimeter pro Tag. Liegt eine Nervenverletzung weit oben am Arm (proximal), kann es zu lange dauern, bis der regenerierende Nerv den Zielmuskel erreicht, bevor dieser irreversibel verkümmert.
Für solche proximalen Verletzungen oder für Patienten, die sich erst spät nach einer Verletzung vorstellen, bieten Nerventransfers eine wegweisende Behandlungsoption. Anstatt den Nerv an der ursprünglichen, weit entfernten Verletzungsstelle zu reparieren, zweigt Prof. Dr. Megerle einen gesunden, redundanten Nervenast in unmittelbarer Nähe des gelähmten Muskels ab und verbindet ihn direkt mit dem beschädigten Nerv. Dies verkürzt die Regenerationsstrecke erheblich und bringt die Funktion viel schneller und zuverlässiger in den Muskel zurück.
Häufig gestellte Fragen
Was ist der Unterschied zwischen einem körpereigenen Nerventransplantat und einem Allotransplantat?
Ein körpereigenes Nerventransplantat (Autograft) nutzt ein Stück eines sensiblen Hautnervs aus Ihrem eigenen Körper (oft aus dem Unterschenkel), um die Lücke zu überbrücken. Es gilt als Goldstandard, da es Ihre körpereigenen lebenden Zellen enthält. Ein Allotransplantat (Allograft) ist ein hochgradig aufbereitetes, steriles Nerventransplantat eines Spenders. Es dient als biologische Leitstruktur, durch die Ihre eigenen Nervenfasern wachsen können, und erspart Ihnen eine zweite Operationsstelle an Ihrem Körper.
Wie schnell nach einer Nervenverletzung sollte ich mich untersuchen lassen?
So schnell wie möglich. Auch wenn eine Operation nicht zwingend am allerersten Tag stattfinden muss, ermöglicht uns eine frühe Beurteilung, einen optimalen Zeitplan für Ihre Behandlung zu erstellen. Muskeln, die keine Nervensignale mehr erhalten, beginnen zu verkümmern (atrophieren). Eine rechtzeitige Untersuchung stellt sicher, dass wir eingreifen können, bevor dieser Schaden irreversibel wird.
Was genau ist ein "Nerventransfer" und komme ich dafür in Frage?
Ein Nerventransfer ist eine hochmoderne Technik, bei der ein gesunder, entbehrlicher Nervenast durchtrennt und sehr nah am Zielmuskel mit dem verletzten, gelähmten Nerv verbunden wird. Sie kommen für diese Methode in Betracht, wenn Ihre Nervenverletzung sehr weit oben an der Extremität (proximal) liegt oder wenn seit der ursprünglichen Verletzung bereits viel Zeit vergangen ist, was den Erfolg einer klassischen Transplantation unwahrscheinlicher macht.
Wie lange dauert es, bis ein rekonstruierter Nerv heilt?
Die Nervenregeneration ist ein langsamer Prozess. Sobald der Nerv die Reparaturstelle überschritten hat, wächst er mit einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von etwa 1 Millimeter pro Tag (oder ca. 1 cm in 2 Wochen). Abhängig von der Entfernung der Operationsstelle zum Zielmuskel oder dem betroffenen Hautareal kann es viele Monate bis über ein Jahr dauern, bis das endgültige Ergebnis sichtbar wird.
Beratung & Terminvereinbarung
Haben Sie Fragen zu Behandlungen oder möchten Sie einen Termin vereinbaren? Wir helfen Ihnen gerne weiter. Für Patienten mit längerer Anreise bieten wir die Möglichkeit einer Videosprechstunde an.