In Deutschland werden jedes Jahr über 50.000 Amputationen an den Beinen durchgeführt, über zwei Drittel davon unterhalb des Kniegelenks. Bis zu 75% der betroffenen Patienten leiden unter Schmerzen im verbliebenen Amputationensstumpf. Dieser Schmerz wird von den betroffenen Patienten oft als scharf, brennend oder elektrisierend beschrieben und kann entweder am Stumpfende oder in der gesamten verbliebenen Extremität empfunden werden. Neben Stumpfschmerzen treten häufig auch Phantomschmerzen oder Phantomempfindungen auf.

Neuromschmerzen

Bei einer Amputationen müssen zwangsläufig Nerven durchtrennt werden. Die Enden dieser Nerven sproßen wieder aus und versuchen Anschluss zu finden. Da die körperfernen Nervenanteile nicht mehr vorhanden sind, wächst das Nervenende in der vergeblichen Suche nach einem Anschluss wollknäuelartig in alle Richtungen und bildet eine immer größer werdende Verdickung, ein Neurom. Diese Stumpfneurome sind häufig für die Schmerzen in Amputationsstümpfen verantwortlich, insbesondere wenn diese dicht unter der Hautoberfläche zu liegen kommen. Da viele dieser Nerven ursprünglichen mit Fuß oder Zehen verbunden waren, interpretiert das Gehirn eingehende Signale dieser Nerven nach wie vor so, als ob diese von einer Stellekommen, die nicht mehr vorhanden sind (Phantomschmerz).

Behandlung von Neuromschmerzen

Neurome sind häufig sehr schwierig zu behandeln, da nach der Nervenstumpf auch nach Entfernung des empfindlichen Endes wieder in gleicher Weise wieder aussprosst und sich ein neues Neurom bilden kann. Durch neue, moderne Operationsverfahren wie Nerventransplantationen oder auch Transplantation von Muskelgewebe (regenerative peripheral nerve interface, RPNI) können Neurome jedoch besser behandelt werden. Neben dem Wegfall der häufig sehr zermürbenden Missempfindungen können betroffene Patienten dadurch oft ihre Prothesen wieder schmerzfrei tragen und ihre Mobilität und Selbständigkeit verbessern.